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Selbstversuch «Sparen von elektrischer Energie»

Einleitung

Im ganzen Jahr 2023 führten wir einen Selbstversuch in Sachen «Sparen elektrischer Energie» durch.
Praktisch nur durch Verhaltensänderungen konnten wir (2 Personen-Haushalt inkl. Warmwasseraufbereitung, kleine Software-Firma, Home-Office einer Person während 2 Tagen pro Woche) von zu hohen 5000 kWh/Jahr auf akzeptable 2750 kWh/Jahr reduzieren.
In den folgenden Abschnitten wird beschrieben, wie wir das hingekriegt haben.

Erhebung der Verbraucher

Mit einem kleinen Energiemessgerät, welches zwischen Verbraucher und Steckdose montiert wird, wurde bei sämtlichen Verbrauchern der Energie-Verbrauch ermittelt. Bei vielen Verbrauchern war das möglich, bei andern nicht.
Nicht möglich war dieses Vorgehen beim Boiler. Der Boiler wurde abgeschaltet und der gesamte Stromverbrauch in der Nacht gemessen. Dann wurde das Warmwasser in den normalen Zyklus von Heizen und Verbrauch gebracht. Das Wasser im Boiler wurde in der Nacht aufgeheizt. Verschiedene Varianten (z.T. Tag mit Duschen / ohne Duschen) wurden min. 5x gemessen und daraus die Mittelwerte gebildet. Diese Messungen begannen bereits im Dezember 2022.
Als sehr nützlich für unsere Bemühungen erwies sich die Monitoring-Software der PV-Anlage. Während 10 Minuten wird der Verbrauch gemessen, anschliessend gespeichert und grafisch dargestellt. Der Tagesverbrauch wird auch als Zahl ausgewiesen.

Erste Erkenntnisse

  • Relativ rasch wurde ersichtlich, dass für die Erzeugung und Warmhaltung des Warmwassers ein grosser Teil der verbrauchten elektrischen Energie aufgewendet werden muss.
  • Als weitere grösserer Verbraucher stellten sich Tumbler, Waschmaschine, Backofen, Herdplatten, Tiefkühler und Kühlschrank heraus.
  • Im Haushalt war es eine Halogenlampe, welche eine Leistung von 500W aufwies. Das war uns schon vorher bewusst, weshalb diese Lampe max. 30 Std. pro Jahr zum Einsatz kam.
  • In der Firma entpuppte sich eine ältere, leistungsfähige Workstation als grosser Stromfresser.
  • Bereits vorher standen bei uns stromfressende Einrichtungen wie Haarföhn, Heizstrahler, Heizdecken, Heizlüfter, etc. nicht im Einsatz.

Was wurde ersetzt oder umgebaut?

Im Haushalt wurden folgende Geräte ersetzt:
  • In der oben erwähnten Halogenlampe wurde durch Umbau durch ein Leuchtmittel ersetzt, welches mit einer Leistung von 30W deutlich unter den 500W der bisherigen Lösung liegt. Das bei gleicher Leuchtleistung.
  • Diverse Glühbirnen wurden durch Sparlampen ersetzt. Nachträglich würden wir diesen Schritt nur bei Glühbirnen vornehmen, welche häufig genutzt werden.
  • In der Dusche wurde der undichte Duschbrauseschlauch ersetzt und die Brause durch eine Duschbrause der Effizienz-Klasse A ersetzt.
Im Bereich Warmwasser wurden folgende Massnahmen ergriffen:
  • Die Leitungen, über welche das Warmwasser den Boiler verlassen, wurden so gut wie möglich isoliert.
  • Der Boiler wird maximal auf 62° bis 63° aufgeheizt. Vorher waren es ein paar Grad mehr.
  • Kurzzeitig wurde der Ersatz des Boilers durch einen Wärmepumpenboiler in Erwägung gezogen. Nachdem uns mehrere Profis von diesem Unterfangen abgeraten hatten, haben wir diese Idee wieder verworfen.
In der Firma wurden bezüglich Hardware folgende Änderungen vorgenommen:
  • Es stellt sich heraus, dass die neuste Workstation (auch schon wieder 8 Jahre alt), dieselben Aufgaben wie die grosse Workstation mit deutlich geringerem Energieverbrauch und mit weniger Geräuschentwicklung erledigen kann.
  • Für den Test von Software-Systemen wurden zwei Notebooks (welche nicht Windows 11 kompatibel sind) angeschafft, welche sonst entsorgt worden wären.
In der Firma wurden bezüglich Hardware folgende Änderungen bereits vorher umgesetzt:
  • Sämtliche Verbraucher mit Ausnahme des Geräts für den Internetzugangs werden über manuell schaltbare Steckerleisten an das Stromnetz angeschlossen. Von Arbeitsschluss bis Arbeitsbeginn und während Abwesenheiten werden alle Geräte heruntergefahren und die Steckerleisten ausgeschaltet.

Verhaltensänderungen

Die grössten Verhaltensänderungen betreffen den Bereich Warmwasser:
  • Wir duschen heute weniger warm, weniger lange und weniger oft.
  • Eine Personen schaltet das Wasser während dem Einseifen aus, während die andere (meine Wenigkeit) an dieser weiteren Optimierung noch arbeiten muss.
  • Weiter achten wir darauf, dass zwischen den Duschgängen der beiden Personen nicht viel Zeit liegt. So dass das Warmwasser in der Leitung zwischen Boiler und Dusche nicht zu stark abkühlt.
  • An Tagen, an welchen wir nicht duschen, waschen wir uns mit kaltem Wasser. Nach ein paar Tagen fühlt sich das normal an.
  • Alles in der Küche benötigte Warmwasser wird mit einem Wasserkocher erhitzt. Zu viel produziertes Wasser wird in einer guten Thermosflasche gelagert und später für die Reinigung von Pfannen verwendet.
  • Ab und zu erwärmen wir Wasser in einem Solarkocher und lagern es ebenfalls bis zur späteren Verwendung in Thermosflaschen.
  • Während Abwesenheiten von > 3 Tagen, wird der Boiler ausgeschaltet.
Weitere Verhaltensänderungen betreffen das Waschen der Wäsche:
  • Die Wäsche waschen wir heute weniger heiss als früher.
  • Die Wäsche wird an dem Tag gewaschen, welcher für das draussen Trocknen lassen der Wäsche in den Wetterprognosen am geeignetsten aussieht.
  • In den Wintermonaten müssen wir ab und zu mit einem Entfeuchter nachhelfen. Dieser Entfeuchter verbraucht weniger Energie als der Tumbler.
Verhaltensänderungen beim Kochen:
  • Bei der Auswahl der Menus wurde gezielt darauf geachtet, dass 2-3 und nicht 4-5 Pfannen für die Zubereitung des Menus benötigt werden.
  • Der Backofen kommt weniger oft zum Einsatz als früher.
  • Während dem Kochen achten wir konsequent darauf, dass Deckel die Pfannen verschliessen.
  • Energie kann auch gespart werden, wenn die Heizwärme ein paar Minuten vor dem Ende der Kochzeit reduziert wird.
Verhaltensänderungen in der Firma:
  • Während Jahrzehnten wurden für die Entwicklung von Software zwei Monitore verwendet. Heute reicht für dieselbe Arbeit ein Monitor aus. Nach kurzer Angewöhnungszeit funktioniert das problemlos.
  • Ausser für den Test von komplexer Software läuft immer nur ein PC, was früher nicht immer der Fall war.
  • Der Energiesparmodus ist eingeschaltet und mit restriktiven Werten konfiguriert.

Ausblick

Unser Verbrauch von elektrischer Energie sollte im Jahr 2024 nochmals sinken. Allerdings nicht mehr in dem Ausmass wie 2023.
Das Erreichte kann nur gehalten oder verbessert werden, wenn der Verbrauch regelmässig überprüft wird. In unserem Fall erfolgt das täglich mit der Monitoring-Software der PV-Anlage. Ohne diese Kontrolle besteht die Gefahr, dass man nachlässig wird und der Verbrauch von elektrischer Energie wieder steigt.
Als Alternative stehen für an einer Steckdose betriebenen Geräte Zwischenstecker des Typs 'WLAN Energy Control Switch' zur Verfügung. Diese Zwischenstecker zeichnen den Verbrauch des angeschlossenen Verbrauchers auf. Der Verbrauch kann in grafischer Form betrachtet werden.
Sämtliche Verhaltensänderungen empfinden wir nicht als Einschränkungen oder Verzicht, sondern als ein neues Kapitel in unserem Leben.
Angesicht der sehr grossen Herausforderungen mit dem Klimawandel und der Energiewende müsste dem Sparen von Energie viel höhere Priorität eingeräumt werden, als das aktuell der Fall ist.
Jede eingesparte kWh kann dazu beitragen, dass z.B. nicht unberührte Berg- und Naturlandschaften mit tausenden von Solar-Panels/-Tischen bestückt werden müssen. Da könnte jeder Mensch auf einfache Art und Weise seinen Beitrag leisten.
Mit den oben beschriebenen Massnahmen und Verhaltensänderungen haben wir nicht bloss ein paar kWh eingespart, sondern innerhalb von einem Jahr 2250 kWh. Unser Selbstversuch zeigt, was in der Realität möglich ist.
Mit diesem Bericht möchten wir alle ermuntern, in ihrem Umfeld ihren Möglichkeiten entsprechend elektrische Energie zu sparen und andere zu ermuntern, dasselbe zu tun.
Je mehr Menschen elektrische Energie sparen, umso grösser ist die Wirkung.
Aktualisiert: 28.01.2024